• Login |
  • Register |
  • Help |
Tellafriend
9 OCT

Meeting: Staatsoper : Christoph Willibald Gluck - Iphigénie en Tauride

Posted by User15 Lahabanera 09/18/2016 06:55PM | 39 x read

Date: Sunday, 10/09/2016 at 05:00PM
Location: Staatsoper Hamburg, 28 Dammtorstraße, 20354 Hamburg, Deutschland » Map

Hallo,

hat jeamand am Sonntag, dem 9.10. Lust mit in die Staatsoper zu kommen, um Iphigénie en Tauride von Christoph Willibald Gluck anzuschauen?

Treffen zur Einführung gegen 17 Uhr im Foyer zwischen den Eingangstüren oder später irgendwo im Haus zur Vorstellung. Karten kauft sich bitte jeder selbst (gibt’s noch reichlich in allen Kategorien).

Das Orchester ist bei dieser Oper das Ensemble Resonanz

Für’s Finden: 0171/7037256

Ich freue mich auf Euch :-)

Viele Grüße,

Rainer


Sonntag 09.10.2016, 18:00 – 20:15 Uhr | Großes Haus

Einführung um 17:20 Uhr

Preise: 6,00 EUR bis 97,00 EUR

Vor ihrer eigenen Opferung wurde Iphigénie gerettet – aber um welchen Preis! Isoliert überlebt sie in der Fremde mit einer furchtbaren Aufgabe: jeden Menschen zu töten, der als Schiffbrüchiger Zuflucht sucht. In ihren Träumen verfolgt sie der blutige Untergang ihrer Familie. Sie weiß nicht, dass ihr Bruder Orest dem Morden entkommen konnte. Nach Jahren sieht sie ihn wieder. Doch die entwurzelten Geschwister erkennen sich nicht. Und die Opferung, der Iphigénie selbst entging, soll sie nun an Orest vollziehen. „Iphigénie en Tauride“ ist Glucks reifste Reformoper; sämtliche Reformgedanken werden bis zur letzten Konsequenz ausgeführt. Mit diesem Werk stößt Gluck das Tor zum modernen Musikdrama auf und schält aus dem Mythos ein brennendes Plädoyer für die Werte der Humanität. Die Oper „Iphigénie en Tauride“ wurde an der Hamburgischen Staatsoper zuletzt 1945 inszeniert. Seit der Spielzeit 2008/09 steht sie nun erneut auf dem Spielplan.

Inszenierung: Philippe Calvario

Bühnenbild: Jon Morrell

Licht: Bertrand Couderc

Choreografie: Sophie Tellier

Premiere am 24.05.2009

In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Trotz ihrer geradezu legendären musikdramatischen Stellung waren die Werke Glucks bis vor wenigen Jahren nur selten auf den Spielplänen zu finden. Dirigent Alessandro De Marchi, einer der inspirierendsten Dirigenten der Alte-Musik-Szene, setzt seine erfolgreiche Arbeit an der Hamburgischen Staatsoper mit dem frühklassischen Meisterwerk fort. Für die szenische Umsetzung stellt sich ein neues Team an der Dammtorstraße vor: der französische Regisseur Philippe Calvario und der Kostüm- und Bühnenbildner Jon Morrell.

„Hier erwartet Sie die Iphigenia. Die Musik ist so himmlisch, dass sie mich selbst in der Probe zu Tränen gerührt hat.“ So schrieb Friedrich Schiller am Heiligabend 1800 aus Weimar an Johann Wolfgang von Goethe – und meinte damit natürlich nicht dessen eigenes Drama „Iphigenie auf Tauris“, sondern Glucks gleichnamige Oper. Von einem „unendlichen Genuss“ schwärmte Schiller: „noch nie hat eine Musik mich so rein und schön bewegt wie diese“. Über die geradezu erschütternde Wirkung dieses Werks berichten viele zeitgenössische Stimmen. Auch Glucks herausragende Stellung als Reformator der Oper ist bis heute Stoff zahlreicher musikhistorischer Seminare. Doch die Aufführungsgeschichte hat ihn im 20. Jahrhundert ziemlich schnöde in die Ecke gestellt. Hätte es nicht Diven wie Maria Callas gegeben, die sich mit Furor in die großen Frauenrollen der Antike und damit auch in Glucks „Iphigénie“ gestürzt haben, wären seine Opern vielleicht völlig von der Bühne verschwunden. Bereits Wagner, sonst ständig auf der Suche nach großen Vorbildern der deutschen Musikgeschichte, bekannte, „dass Gluck mich nie erquickt, sondern stets gepeinigt hat“.

„Hohe Simplizität“ Auch wenn die Hamburgische Staatsoper in der jüngeren Vergangenheit mit Aufführungen von „Echo et Narcisse“ und „Le Cinesi“ (1987) sowie „Armide“ (1996) eine rühmliche Ausnahme gemacht hat – die Opern des Christoph Willibald Ritter von Gluck sind erst in den letzten Jahren wieder häufiger auf deutschen Bühnen anzutreffen. „Das ist eine erfreuliche Folge der historischen Aufführungspraxis“, stellt Dirigent Alessandro De Marchi fest. Er hat an der Alster bereits Monteverdis „Poppea“ und Händels „Giulio Cesare“ mit unerhörter Frische neues Leben eingehaucht und wird nun auch Glucks Reformoper in seine bewährten Hände nehmen. Dazu ist viel Recherche nötig, wie der Italiener berichtet: „Glucks Musik ist scheinbar sehr einfach konzipiert, aber sie muss aufgefüllt werden – von den Sängern mit Emotion und Leidenschaft, vom Orchester mit Impulsen, die nicht in den Noten stehen. Und erst durch diese Anreicherung spricht diese Musik wieder zu uns.“ Die „hohe Simplizität“, die E.T.A. Hoffmann Glucks Stil attestierte, war seinerzeit natürlich Programm: Mit Werken wie „Orfeo ed Euridice“ und den beiden „Iphigenien“ (auf Tauris / in Aulis) sollte ein ästhetischer Gegenentwurf zum überlebten Modell der Opera seria präsentiert werden. Statt virtuosen Vokalkaskaden also schlichte melodische Bögen, statt göttlichem Pathos menschliche Seelenregungen. Der barocke Ziergesang wurde eingemottet – Natürlichkeit war Trumpf. Im Zeitalter der Aufklärung setzte Gluck damit genau auf die richtige Karte: die Uraufführung der „Iphigénie en Tauride“ 1779 in Paris wurde ein Triumph. Der Förstersohn aus der Pfalz hatte nach Stationen in Wien und Prag längst die europäische Opernmetropole erobert. Nach der Pariser Premiere kümmerte sich Gluck auch höchstpersönlich um eine deutsche Übersetzung und bereitete die Aufführung 1781 in Wien vor: „so wierd wohl auch die Iphigenie in Tauris, welche Ehestens soll vorgestellt werden, mich wiederumb in bewegung setzen, und mir das geblüte rege machen.“ Letztere Anmerkung bezog sich auf Glucks angegriffene Gesundheit: unmittelbar nach der Pariser „Iphigénie“ hatte er seine nächste Oper „Echo et Narcisse“ herausgebracht. Von dieser Doppelbelastung, notierte Gluck, sei er „anjetzo völlig Erhitzt“. Den schöpferischen und logistischen Kraftakt bezahlte er mit einem Schlaganfall, der seine Komponistenkarriere faktisch beendete. Die Nachwelt lobte an Glucks Musik die „erhabenen Gefühle“ und „schönen Leidenschaften“ (Hector Berlioz) sowie die „scharfen, plastischen Konturen seiner Melodie“ (Eduard Hanslick). Doch ohne Anpassung an den aktuellen Geschmack glaubte man seine Werke nicht mehr aufführen zu können. So wurde „Iphigénie en Tauride“ über hundert Jahre später von Richard Strauss für eine Aufführung in Weimar arrangiert – jener Stadt, wo einst Goethe und Schiller für Glucks Vertonung eintraten.

Siebenfaches Tremolo „Noch vor zwei Generationen war das Wissen um die richtige stilistische Einordnung von Glucks Musik völlig verloren“, so Alessandro De Marchi, der sich für die erste Hamburger Aufführung dieses Stücks seit 1946 intensiv mit den zeitgenössischen Quellen beschäftigt hat. „Für eine ›historisch informierte‹ Aufführung der ›Iphigénie‹ muss man vor allem französische Schriften und Traktate heranziehen. Gluck hat sich zwar bemüht, die starren Konventionen auszuhebeln – aber alles konnte auch er nicht ausmerzen. Als ›Iphigénie‹ uraufgeführt wurde, standen auch die Opern von Rameau noch auf dem Spielplan. Die Musiker spielten also bestimmte Tempi, Affekte oder dynamische Besonderheiten in einer ihnen selbstverständlichen Tradition, die nicht eigens notiert werden musste. Heute muss man sich diese Tradition natürlich erst wieder anlesen, um sie dann zum Klingen zu bringen.“ Was bedeutet das nun für die Praxis? „Eine lebendige und stilgerechte Umsetzung von Glucks Musik macht tatsächlich viel mehr Arbeit als Händel oder Mozart“, bekennt der Experte für barocke bis frühromantische Musik. „Es gibt in der Partitur der ›Iphigénie‹ beispielsweise mehr als sieben verschiedene Arten der Notation eines Tremolo – und das darf man eben nicht über einen Kamm scheren. Auch Verzierungen, Vorhalte oder rhythmische Details unterscheiden sich deutlich von italienischen oder deutschen Kompositionen dieser Zeit.“ De Marchi ist fasziniert von der stilistischen Übergangsstellung des Stücks: „Es ist nicht mehr Barock, aber auch noch nicht Mozart. Und in diesem Stadium der Unfertigkeit liegt auch die ungezügelte Energie dieser Musik. Wie ein pubertierender Jugendlicher lebt ›Iphigénie en Tauride‹ einen emotionalen Überschuss aus. Daraus ergeben sich unglaublich vitale, direkte Klänge, und die werden in unserer Aufführung hoffentlich zu erleben sein. Ich freue mich sehr auf die Arbeit mit den barockerfahrenen Philharmonikern Hamburg und den stilistisch sehr einfühlsamen Sängern.“ Auch Regisseur Philippe Calvario setzt ganz auf die Emotionalität von Glucks Musik. Der Franzose hat zuletzt mit einer lebendigen Inszenierung des „Belshazzar“ bei den Händel-Festspielen Halle für Aufsehen gesorgt. Und mit antiken Stoffen hat der Schüler von Patrice Chéreau ebenfalls Erfahrung, etwa mit der „Elektra“ des Sophokles. „Edle Einfalt und stille Größe“ wird es aber mit ihm nicht geben: „Die explosive Wucht dieser Gefühle finde ich überwältigend, gerade weil sie fast holzschnittartig sind“, so Calvario. „Verschiedene Facetten der Liebe stehen unverbunden neben Rachegelüsten und Todesfurcht. Die Figuren wechseln von einem Gefühlsextrem ins andere und sind doch immer Gefangene ihrer Ängste. Und diese Ängste lassen sie handeln.“ Diese elementare Wucht soll sich auch in seiner Inszenierung spiegeln: „Gescheiterte Hoffnungen sind symbolhaft präsent, aber gleichzeitig soll unsere szenische Umsetzung auch die Grandiosität und Weite dieses Mythos zeigen. Am wichtigsten ist mir aber die unglaublich bewegende Intimität dieser Figuren, die sich schutzlos einander ausliefern.“ Wie die nur sechs Wochen später uraufgeführte „Iphigenie“ von Goethe setzt auch Gluck auf die Botschaft der Humanität. Die Heldin, isoliert im Exil auf Tauris lebend, erkennt den eigenen Bruder Orest nach Jahren der Trennung nicht mehr wieder. Nach einem Schiffbruch landet er gemeinsam mit seinem Freund Pylades auf der Insel Tauris. Hier hat Iphigenie als Priesterin und Gefangene des Skythenkönigs Thoas einen Auftrag: jeden Fremden zu opfern. Doch instinktiv zögert Iphigenie die Vollstreckung des Opfers hinaus … Erst nachdem sich Orest endlich zu erkennen gibt und der wütende Thoas in letzter Sekunde aus dem Weg geräumt wird, können die Geschwister wieder zueinander finden. Als „erste Psychoanalyse auf der Opernbühne“ hat man die Figur des Orest bezeichnet. Er hat einen doppelten Mord in der Familie zu bewältigen: Seine Mutter Klytämnestra tötete seinen Vater Agamemnon – für diese Untat nahm er Rache und brachte die eigene Mutter um. Gejagt von den Furien, muss er sich der Schuld stellen. Mit eindringlichen Chören fahren die Furien dem gepeinigten Orest in Mark und Knochen. „Auf die Schilderung der Unterwelt hat sich Gluck ja besonders verstanden“, meint Alessandro De Marchi mit einem Seitenblick auf dessen berühmte „Orpheus und Eurydike“-Vertonung. „Überhaupt sind die Chorszenen von großer und sehr kontrastreicher Wirkung: Die Szenen der Priesterinnen atmen eine kirchenmusikalische Atmosphäre, ganz im Gegensatz zu der ›barbarischen‹ Wildheit des Skythenvolkes.“ Hier griff Gluck kräftig in den Exotismus-Farbtopf. „Die Komponisten haben damals natürlich nicht nach musikethnologischer Korrektheit gefragt – ob ›alla turca‹, chinesisch oder skythisch, Hauptsache laut und mit viel Schlagzeug“. Für die Barbaren-Würze will De Marchi schon sorgen: „Im Moment fahnde ich nach bestimmten Ringen und Schellen für das Schlagwerk. In der Schockhaftigkeit dieser Musik liegt auch ihre dramatische Wahrhaftigkeit – und die wollen wir wieder sinnlich erfahrbar machen.“

Fackel der Aufklärung Von „shakespearehaften Qualitäten“ spricht derweil Philippe Calvario: „Nicht nur das antike Drama setzt sich in ›Iphigénie‹ fort. Die Freundschaft zwischen Orest und Pylades ähnelt dem Verhältnis zwischen Hamlet und Horatio. Und wie Hamlet der Geist seines toten Vaters erscheint, wird Orest vom Schatten seiner gemordeten Mutter verfolgt. Doch anders als Hamlet ringt sich Orest zur Tat durch.“ Ganz konnte Gluck übrigens auf den antiken Deus ex machina nicht verzichten – zum Schluss wird Orest von der Göttin Diana erlöst. Der einzige konventionelle Wermutstropfen in Glucks modernem Zugriff? Jedenfalls eine letzte Konzession an barocke Weltvorstellungen, deren Auseinanderbrechen durch dieses Anhängsel eher betont wird. Nicht die Götter leiten die Wende mehr ein, die Menschen selbst befreien sich. Nicht der Souverän lenkt die Geschicke, seine Untergebenen nehmen ihr Schicksal in die Hand. Ähnliches zeichnet sich in Goethes zeitgleich entstandener Stoffbearbeitung ab, von der Herder meinte, dass sie die „Umwandlung solcher bloß äußerlichen Göttermaschinerie in Subjectives, in Freiheit und Sittlichkeit“ übertreffe. Damit zeigt sich der „Iphigenie“-Stoff natürlich auch als Kind seiner Zeit, als Fackel der Aufklärung am Vorabend der Französischen Revolution. Auch aus Glucks Tönen wollten einige Musikhistoriker politischen Sprengstoff heraushören. „Kunst existiert nie im politikfreien Raum“, so Alessandro De Marchi. „Theater und Musik sind immer Spiegel ihrer Zeit. Ich würde jedoch nicht so weit gehen, Glucks Oper wirklich als Sturm auf die Bastille zu bezeichnen.“ Die Uraufführung wurde immerhin von der französischen Königin Marie Antoinette höchstselbst protegiert – die musikbegeisterte Habsburgerin hatte in ihrer Wiener Jugend Gesangsunterricht bei Gluck genommen und konnte ihrem Lehrer bereits fünf Jahre vor der „Taurischen Iphigenie“ den Karriereteppich für dessen „Iphigénie en Aulide“ ausrollen. Mit der sensationellen Uraufführung der „Aulischen Iphigenie“ brach ein wahres Gluck-Fieber in Paris aus: „Man kann nicht mehr von etwas anderem reden. In allen Köpfen herrscht eine Gärung, so außerordentlich, als man es sich nur vorstellen kann“, schrieb Marie Antoinette. Der Guillotinierung seiner königlichen Mäzenin musste Gluck übrigens nicht mehr beiwohnen: Er starb 1787, zwei Jahre vor Ausbruch der Französischen Revolution. Sein musikalisches Erbe hat Mozart aufgegriffen, vor allem im „Idomeneo“ und in einigen Szenen der „Zauberflöte“ und des „Don Giovanni“. Auch die Wiener Erstaufführung der „Iphigenie auf Tauris“ am Wiener Burgtheater verfolgte Mozart sehr genau – jedenfalls die Proben. Bei der Premiere war ihm die Wartezeit in der Schlange zu lang. Seinem Vater gestand Mozart: „Gestern war die erste Vorstellung von der ‚Iphigenie‘. Ich aber nicht darin. Denn, wer ins Paterre gehen hat wollen, hat schon um 4 uhr hinein müssen“.

1 Yes | 0 No | 1 Maybe

Attending (1)

  • User90 lahabanera

Not attending (0)

No feedback, yet

Maybe (1)

  • User90 flora-fauna

No Comment

Please login, before you write a comment.