• Login |
  • Registrieren |
  • Hilfe |
Tellafriend

Beitrag: Filmrezension "Si-o-se Pol - Die letzten Tage des Parvis K."

Geschrieben von User15 Meereslinie 10.12.2016 19:54h | 7 x gelesen

Themen:

filmrendezvous FIREVO / 07.12.2016 / METROPOL Düsseldorf / NRW-Premiere

Film: “Si-o-se Pol – Die letzten Tage des Parvis K.”

Buch & Regie & Produktion: Henrik Peschel

Mit Ramin Yazdani, Christian Concilio, Pheline Roggan u.a.

Website: www.siosepolfilm.de & www.facebook.com/siosepolfilm/

Der Film des Independent-Regisseurs Henrik Peschel lässt uns eintauchen in fremde Welten, die doch bei näherem Hinsehen allgegenwärtig sind, nimmt uns mit auf die moderne Odyssee eines Menschen, der – gerade auch durch seine Krankheit – mit geschärftem Blick für das Wesentliche seiner Vision folgt. Zunächst in die Kategorie “Flüchtling” einsortiert, erweist er sich doch als “Homo Viator”, als Reisender im klassischen, ureigensten Sinne. Er durchmisst erhabene Landschaften, die uns an Reisekataloge erinnern und hier doch die Kulisse bilden für eine dramatische Geschichte, in der trotz aller Not und Anflüge von Verzweiflung das Humane, die Schönheit der Solidarität aufscheint und allmählich ein Feuer der Verbundenheit entfacht. Durch seine stoische Gelassenheit ist der Iraner Parvis K. in der Lage seinen Weg beharrlich weiterzugehen, auf der Suche nach seiner nach Spanien ausgewanderten Tochter. Dabei begegnet er anderen Menschen, die darum kämpfen die Scherben ihrer zerbrochenen Träume zusammenzukitten oder ihre Enttäuschung in neue Hoffnung zu verwandeln. Gerade weil sie – teils anfangs widerwillig oder ambivalent – Parvis unterstützen, können sie über sich selbst hinauswachsen und für sich neue Möglichkeitshorizonte entdecken. Parvis nimmt die Hilfe dankbar an und wird dabei durch seine achtsame Wertschätzung und seinen Optimismus zum Fels in der Brandung, zum Mutmacher, zum Geburtshelfer zukunftsweisender Ideen. Das gibt auch ihm – der ringen muss mit den Schattenseiten körperlicher Existenz – Kraft zum Weiterleben. Vom Anfang bis zum Ende ist der Film eine Hommage an die Grundtätigkeiten des Lebens wie Essen, Trinken, Arbeiten, Schlafen, Kommunikation und Lobgesang auf echte Begegnung sowie haltgebende Beziehungen, innerhalb der Familien und zwischen anfangs Fremden, die schließlich Freundschaftsbande weben. Wir werden dazu eingeladen scheinbar unverrückbare Gesetze kreativ zu interpretieren und im Sinne einer friedlichen Revolution menschlichere Lösungen für vermeintlich resignativ hinzunehmende Probleme zu erwägen. Anstatt sich beispielsweise ins Los des durch Illegalität Isolierten und Arbeitslosen zu fügen, schaut Parvis einfach, wo seine Hilfe gebraucht wird, packt – obgleich gezeichnet durch eine schwere Krankheit – ohne große Vorrede an und erhält als Gegenleistung menschliche Nähe, die mehr wert ist als ein Geldschein. Dabei ist er sich nicht zu gut dafür auf den Knien den Boden zu putzen und symbolisiert damit – wenn man so will – Demut. Während es in einer Tragödie vorkommen kann, dass Gutgemeintes zum Verderben führt, werden wir im Film “Die letzten Tage des Parvis K.” Zeuginnen und Zeugen, wie gerade vermeintliches Scheitern die Tür öffnen kann zu neuen Chancenräumen. Die Akteure “verschwenden” nicht ihre Zeit in der Hingabe an den Mitmenschen, sondern investieren sie, noch nicht ahnend, welch großer, unbezahlbarer Gewinn ihnen dadurch zuteil werden wird. Natürlich treten auch Selbstzweifel zutage, doch am Ende siegt die Gabe auch in den Turbulenzen des Seins Haltung zu bewahren und sich auf seine Begeisterungsfähigkeit zu besinnen, die zwar verschüttet sein mag, doch immer noch glimmt unter der Asche. Der herausragende Film kann auch als Metapher gesehen werden für die Kunst hartnäckige Zielverfolgung und flexible Zielanpassung situationsangemessen neu auszutarieren. Je schwerer gangbar die Pfade zu ursprünglich anvisierten Vorhaben werden, je höher sich die Barrieren auftürmen, desto mehr lenkt Parvis seine Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt und widmet sich dem, was gerade ansteht sowie der Schönheit des Augenblicks, die selbst in entbehrungsreichen Zeiten durch offene Sinne zugänglich bleibt, zumal draußen in der Natur. Mit Blick auf einen mysteriösen, majestätischen Berg, der in sich ruhend schwebt über den Stürmen der vergänglichen Erdenzeit, bleibt es uns als Betrachterinnen und Betrachtern überlassen eine Antwort zu finden auf die Frage, ob Parvis sein Ziel erreicht hat. Sicher ist, dass in diesem Film über die konstruierten Grenzen von Raum, Kulturen, Religionen, Voreingenommenheiten und Sprachen hinweg Brücken gebaut werden, erinnernd an die 33 Bögen der “Si-o-se Pol” von Isfahan, der Namensgeberin dieses äußerst sehenswerten Films von Henrik Peschel und seinem Team. Nachdem dieses Werk mittlerweile um die ganze Welt gereist ist und die Herzen der Menschen zu berühren vermochte, bekamen wir Cinestinnen & Cineasten es nach 33 vorherigen Stationen – welch kuriose Synchronizität – nun im METROPOL Düsseldorf endlich auch in NRW zu sehen und konnten uns im Anschluss sogar noch stundenlang angeregt mit dem Regisseur unterhalten … ein unvergessliches filmrendezvous!

Berndt Ebler

filmrendezvous FIREVO & FilmKunstTreff CINEAS

Düsseldorf, 08.12.2016

1 Bild

  • Thumb

Keine Kommentare

Bitte melde Dich an, bevor Du Kommentare schreibst.

Offene Gruppe, Inhalte für alle sichtbar Gruppe jetzt beitreten... Oder melde Dich an, falls Du bereits Mitglied bist.

Aktive Mitglieder » Alle

  • User90 petra0301
  • User90 meereslinie
  • User90 jemabe
  • User90 szwergi
  • User90 pisa1
  • User90 sonness

Feed_ics

Feed_badge

Feed_json

01199

Bookmark setzen:

  • Misterwong
  • Delicious
  • Yigg
  • Linkarena
  • Twitter
  • Yahoo
  • Oneview
  • Windowslive
  • Google
  • Myaol
  • Facebook
  • Myspace
  • Technorati